Unendlich viele Freiheitsgrade

Unendlich viele Freiheitsgrade im öffentlichen Raum
Interdisziplinäre Tagung am Wittenberger Weg

mit Christopher Dell, Felix Ersig, Peter Füssenich, Dr. Jasmin Grande, Prof. Irene Hohenbüchler, Prof. Franz Klein-Wiele, Prof. Reinhold Knopp, Prof. Folke Köbberling, Christoph Kremerskothen, Hans-Dieter Lechtape, Jörg Leeser, Peter Lepp, Thorsten Nolting, Prof. Günther Opp, Ute Reeh, Prof. Eike Roswag, Christoph Schäfer, Prof. Christoph Schmidt, Prof. Anja Vormann, Klaudia Zepuntke


Ich kenne den Begriff Freiheitsgrade aus der Physik. Es ist die Möglichkeit Bewegung unabhängig voneinander durchzuführen – also ein Körper im freien Raum kann sich auf unterschiedlichste Weisen frei bewegen: vor und zurück, rauf und runter, rotieren und kreisen. Im übertragenen Sinn ist es für mich die Möglichkeit sich frei zu entfalten und unabhängig von Vorschriften und Regel kreativ zu sein. Anwohner*in Wittenberger Weg

Vom Wiesencafé zur interdisziplinären Tagung

2013 entwickeln drei Jugendliche die Grundidee für ein Café am Wittenberger Weg: Ein Ort den man selbst gedacht, geschaffen und gebaut hat und den man dann mit anderen teilen und nutzen kann. Gemeinschaftlich — mit Schüler*innen, Student*innen, Architekt*innen, Planer*innen, Künstler*innen, Politiker*innen, Gastronom*innen, Anwohner*innen und der Stadtverwaltung — entsteht so im ständigen Austausch der Entwurf für das Wiesencafé und im Jahr 2017 der Grundriss, eine selbstgebaute Bodenplatte. Diese wird seitdem zum Treffpunkt, vielmehr zum Ort von Kunst, Kultur und Kreativität.

Die interdisziplinäre Tagung am Wittenberger Weg greift dieses partizipative und interdisziplinäre Prinzip auf: Alle Themen und Inhalte stammen aus dem Projekt selbst, werden von Kindern und Jugendlichen vorbereitet und anschließend mit Tagungsteilnehmer*innen weiterentwickelt. Dabei werden sieben Jahre künstlerisches Schaffen am Wittenberger Weg ausgewertet und zusätzlich untersucht wie durch künstlerisch begleitete Prozesse gemeinsamer öffentlicher Raum entstehen kann. 

Es ist unglaublich inspirierend, wenn man völlig unterschiedliche Gedankenwelten sieht und die hier an einem Tisch aufeinanderprallen lässt. Man kommt mit Menschen in Austausch, mit denen man sonst eher nicht zusammen trifft, im Beruflichen nicht und im Privaten eben teilweise auch nicht. Teilnehmender Architekt

Thementische

An 18 Thementischen diskutieren Kinder, Jugendliche und Anwohner*innen aus dem Viertel mit Expert*innen aus Politik, Bildung, Kunst, Kultur, Bauwesen, Architektur und Verwaltung über den gemeinsamen öffentlichen Raum und das Projekt an sich. Schnell wird jedoch klar, die wahren Expert*innen sind die Kinder und Jugendlichen selbst. In den Gesprächen geht es um echte Teilhabe, Sichtbarkeit und Gemeinschaft aber eben auch darum, konkrete Ideen für das Viertel wirksam vorzustellen. Die Kinder wünschen sich ganz pragmatisch weniger Müll und Lärm, dafür aber Wasserspender, Bewegungsangebote und Turnhallen für die Schulen im Viertel. Die Anwohner*innen fordern mehr Mitspracherecht für das Viertel. Die städtebauliche Isolation der Siedlung soll schwinden und die Sozialwerte angehoben werden, dafür wollen sie auch selbst mit anpacken: Baumpatenschaften, Gemeinschaftsgärten oder ein Praktikum im Wiesencafe´ sind Ideen unter vielen. 

Ich habe selbst mal in Garath gelebt und man fühlt sich permanent bevormundet durch Zäune, Absperrungen, Begrenzungen. Ich habe das Gefühl die Straße »Schwarzer Weg« müsste aufgebrochen werden, damit dieses Viertel Anschluss kriegt und nicht weiterhin abgespalten bleibt zum Beispiel gegenüber dem schicken Neubau auf der gegenüberliegenden Seite. Ich meine wenn man sich die Situation jetzt hier anguckt wird deutlich: Viele Leute werden bezahlt, sind kreativ, machen einen Wollteppich und die Kinder fühlen sich zuhause unwohl und machen deswegen den Wollteppich. Das ist das Machtverhältnis was hier herrscht und was wir alle spüren. Ehemaliger Anwohner der Siedlung

In den Tischrunden wird deutlich, dass das künstlerische Projekt Veränderungen und Wandel bringen könnte, wenn es echte Teilhabe und Mitspracherecht garantiert und alle Bewohner*innen abholt und mit einbezieht. Die ersten Strukturen sind bereits entwickelt. Besonders der umweltbewusste Bauansatz, der die vergessene Wellerlehmbautechnik aus regionalem Lehm und Stroh wieder ins Spiel bringt findet Anklang, ebenso der Teppich für das Café, der aus Wollresten gewebt wird, die sonst entsorgt werden müssen. Auch das Geschirr ist schon hergestellt und einsatzbereit.

Paradise– Park– am Wittenberger Weg

Seit 2018 fährt der Ü-Wagen von Paradise–Park– die Siedlung am Wittenberger Weg an. In multimedialen Workshops erlernen die Kinder und Jugendlichen den Umgang mit der Technik. Sie beleuchten und untersuchen die Umgebung mit der Kamera und zeigen das Viertel aus ihrer subjektiven Perspektive heraus. Im Rahmen der Tagung leitet Paradise–Park– einen Thementisch und greift Gedanken und Inhalte der Kinder aus den multimedialen Workshops auf. Inhaltlich geht es um den Freiheitsbegriff. In filmischen Interviews werden die Ergebnisse festgehalten. 

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Filmische- und Fotografische Dokumentation der interdisziplinären Tagung
Unendlich viele Freiheitsgrade im Öffentlichen Raum
Eric Jansen, Patrick Kruse, Janna Lichter, Marcel Mücke, Laura Oldörp, Aramesh Pakan
über Paradise–Park– und das Forschungsprojekt Artec der Peter Behrens School of Arts

Hochschule Düsseldorf
Fachbereich Design
betreut von Prof. Anja Vormann

Die Tagung ist ein Projekt des Zentrums für Peripherie
Idee und Konzeption
Ute Reeh

Projektpartner
Architektenkammer NRWInstitut der Moderne im Rheinland, Landschaftsverband Rheinland

in Kooperation mit den Düsseldorfer Schulen Alfred-Herrhausen Schule, Görres Gymnasium, Maria Montessori Gesamtschule und Kindern und Jugendlichen vom Wittenberger Weg in Düsseldorf Garath

gefördert durch Landschaftsverband Rheinland, 100 Jahre Bauhaus im WestenBaukultur Nordrhein-WestfalenArchitektenkammer Nordrhein-Westfalen, Kulturamt der Landeshauptstadt DüsseldorfAktion MenschPeter Behrens School of Arts Düsseldorf und Zentrum für Peripherie

Moderator*innen der Thementische
Christopher Dell, Felix Ersig, Peter Füssenich, Dr. Jasmin Grande, Prof. Irene Hohenbüchler, Prof. Franz Klein-Wiele, Prof. Reinhold Knopp, Prof. Folke Köbberling, Christoph Kremerskothen, Hans-Dieter Lechtape, Jörg Leeser, Peter Lepp, Thorsten Nolting, Prof. Günther Opp, Ute Reeh, Prof. Eike Roswag, Christoph Schäfer, Prof. Christoph Schmidt, Prof. Anja Vormann, Klaudia Zepuntke

Moderation der Tagung
Prasanna Oommen

Weiterführende Links
https://zentrum-fuer-peripherie.org/startseite-test/theorie/events/freiheitsgrade/