Reassembling Public Space

Analoge und digitale Beteiligungsprozesse von Bürger*innen

Mit Bürger*innen vor Ort gestalten wir ein Bürgerlabor am Mintropplatz. Wir laden dazu ein analoge und digitale Strategien der Partizipation zu erleben und über die Gestaltung den städtischen Raum zu erweitern. Wie sieht ästhetischer Widerstand aus? Wie kann man sich einen Platz über Gestaltungsprozesse aneignen? Wie das Spannungsfeld zwischen Realraum und Netzraum lebendig halten?

In kontinuierlich Workshops mit Bürger*innen, Künstler*innen, Stadtwissenschaftler*innen und Politker*innen setzen wir uns mit der ästhetischen Wahrnehmung und Arbeit auseinander. Über die gestalterischen Interventionen soll die Voraussetzung geschaffen werden, Machtstrukturen und Automatismen des Denkens und Handelns zu stören. Als Unterstützung für die digitale Transformation übersetzt der Ü-Wagen Aktionen am Platz in ästhetische, digitale Formate und fördert die strategische Vernetzung unter den Bürger*innen, Institutionen und Politik.

Das Phänomen der Verdrängung in der Büger*innen aus der Innenstadt, ist ein allgemeines Problem globaler Städte. Im Hinblick auf diese Verdrängung des Quartiers am Mintropplatz intervenieren in die Stadtgestaltung wir über die Stärkung von Partizipation. Die Raumproduktion ist nach Lefèbvre das Produkt gesellschaftlicher Kräfte – freie Räume, in denen Lebenskonzepte aufeinandertreffen, in denen getauscht, experimentiert und Realität geschaffen wird, gehen über kapitalistische Vergesellschaftungsprozesse verloren. Netzräume sind hier meist die Fortsetzung dieser kapitalistischen Matrix der Macht.

Das Potenzial einer Stadt, sich aus ihrer Bürgerschaft selbst heraus zuentwickeln, geht mit schwindender Präsenz im Realraum verloren. Ohne die Referenz auf diesen Raum, lässt sich auch das Demokratieversprechen des Digitalen nicht einlösen. Wie will ich Raum gestalten, wenn ich kein*e Gestalter*in bin? Wie Stadt sozial denken, wenn es keine Spielräume der Begegnung gibt? Wie für einen Platz kämpfen, wenn die jeweiligen Machtstrukturen nicht erkennbar sind? Wie das Spannungsfeld zwischen Realraum und Netzraum lebendig halten? Mit den Bürger*innen wollen wir Stadt als Gestaltungsraum verstehen, den Raum ästhetisch erfahren, gestalten und in eigene digitale Formate transferieren.

Das Projekt agiert als Schnittstelle zwischen Bürger*innen und Stadt, zwischen realer Welt und digitaler Welt. Das Ziel ist unsere erarbeiteten Prozesse in digitale Netzwerke zu schleusen, Diskurse über den regionalen Kreis hinaus sichtbar zu machen, sich mit Initiativen zu vernetzen und Erfahrungen zu teilen. Mit unserem Vorhaben sollen Wissen und Gestaltung zusammengeführt werden. Ästhetischer Widerstand und Gestaltungsvermögen transferieren das Wissen der Bürger*innen, um von den Planer*innen und Politiker*innen deutlicher wahrgenommen zu werden und ihre Interessen besser durchzusetzen.

Initiiert werden die Workshops, Spaziergänge und künstlerische Interventionen vom Ü-Wagen Team der HSD in Kooperation mit Arbeit und Leben. Der Ü-Wagen als digitales Gestaltungslabor ist schon seit einigen Jahren auf Düsseldorfs Plätzen unterwegs. Ziel ist es, Bürger*innen für Prozesse der Gestaltung zu sensibilisieren. Dies, einerseits, um das Verhältnis von Entwurf und Stadt besser zu verstehen und andererseits, um ihrem Protest aber auch ihren Ideen, über eine ästhetische Gestaltung, zur Sichtbarkeit zu verhelfen. Arbeit und Leben ist schon lange am Platz bildungspolitisch aktiv und kennt die Menschen vor Ort. Echte Partizipation setzt Wissen voraus, wer plant hier was aus welchem Grund, wo steckt Potential zum Widerstand, welche Mittel lassen sich aktivieren. Das Projekt versucht gemeinsam die Bürger*innen durch das Anstoßen von Prozessen des Wissentausches zu ermächtigen, ihr Recht auf Stadt zu formulieren und durchzusetzen.

Der Platz wird frei für die Projektion eigener Bedürfnisse und Wünsche. Mit der Vision ein Gegenmodell zur aktuellen Stadtgestaltung zu entwickeln, Erfahrungen weiterzugeben, Kooperationen zu fördern und Bedürfnissen Sichtbarkeit und Relevanz zu verleihen. Über die Aktionen wird der Platz zum gemeinsamen Spielfeld der Planung und Produktion. Wir öffnen einen kreativen Raum und entwickeln diskursive Felder für Nicht-Künstler*innen und Künstler*innen, um gemeinsam Entwurfsprozesse für die Stadtentwicklung zu entwickeln. Die Bürger*innen haben die Möglichkeit sich an der Quartiersarbeit zu beteiligen, mitzumachen und mitzuwirken und mit anderen Teilnehmer*innen in den Austausch zu gehen. Eine prototypische Kommunikation und neue Raumszenarien lassen uns gemeinsam fassen, was wir vorher noch nicht denken konnten. Schritt für Schritt erarbeiten wir uns gemeinsam in die zuvor noch nicht denkbare zu konstituierende neue Wirklichkeit des Mintropplatz hinein.

Programm und Flyer – 9,86 KB

Initiiert von Arbeit und Leben e.V.
Mit Gabriela Schmitt (Initiatorin), Anna Ziener (Projektleiterin)

In Kooperation mit Paradise–Park– und dem Ü-Wagen der Hochschule Düsseldorf
Mit Prof. Anja Vormann (Initiatorin), Janna Lichter (Projektleiterin), Patrick Kruse (Wissenschaftlicher Mitarbeiter), Marcel Muecke (WHK), Lilian Wunschik (SHK)

Mit Beiträgen von
Leonie Wendel (Planwerkstatt), Harald Schwenk (Planwerkstatt), Hugo Herrera Tobón (Creative Director), Tatjana Pöschke (Print, Editorial, Type, Illustration), Paula Radon (Nachhaltiges Kommunikationsdesign & Illustration)

Weitere Links
www.d-oberbilk.de

Gefördert durch den Fonds Soziokultur aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von NEUSTART KULTUR.