Berlin Exkursion

Die Natur in der Stadt

Im Rahmen der Muros-Woche reist eine Illustrationsgruppe mit Mone Schliephack und eine Filmgruppe mit Anja Vormann im November 2019 für eine Woche nach Berlin, um die städtische Natur zu erkunden. Gemeinsam begibt sich die Gruppe in den Gropius Bau, die Prinzessinnengärten und den Botanischen Garten und beschäftigt sich mit dem Begriff der Heterotopie. Dieser bezeichnet einen realen Ort, eine Art Gegenort, Ort des Widerstandes, der aufgrund der Andersartigkeit Gesellschaft reflektieren lässt. Damit bildet er den Widerpart zur Utopie. Foucault bezeichnet die Heterotopie des Gartens als eine der ältesten. Mit diesem Begriff lässt sich die politische Dimension von Natur begreifen und das immense rhetorische Potenzial der Gestaltung mit Natur.

Garten der irdischen Freuden, Gropius Bau

Die Gruppenausstellung »Garten der irdischen Freuden« im Gropius Bau Berlin setzt sich mit dem Motiv des Gartens als Ort der Inspiration und kritischen Reflexion auseinander. Das Denken über den Garten ist politischer geworden. In der Kunst wird der Garten zur erweiterten Metapher für den Zustand der Welt, mit der über komplexe Zusammenhänge zwischen Migration, Klimawandel, Kolonialisierung, Globalisierung, Kapitalismus und Gentrifizierung nachgedacht werden kann. Die Ausstellung nimmt Bezug auf das Triptychon von Hieronymus Bosch Der Garten der Lüste aus dem späten 15. Jahrhundert und zeigt den Garten als Ort der Dualität und des Widerspruchs. Neben der klassischen Lesart als abgeschlossener Sehnsuchtsort mit meditativen, spirituellen und philosophischen Möglichkeiten wird er als Grenzbereich zwischen Realität und Fantasie, Utopie und Dystopie, Harmonie und Chaos, Eros und Perversion, Natürlichkeit und Künstlichkeit präsentiert. 

Prinzessinnengärten

Marco Klausen und Robert Shaw haben während einer Kubareise, inspiriert durch die Bewegung agricultura urbana, die Idee ökologisches, mobiles Gärtnern mit nachhaltigen Lebensstrategien zu verbinden und zwar in Berlin Kreuzberg. Kreuzberg ist ein Bezirk mit hoher Verdichtung, wenig Grün und sozialen Problemen. Die große Brachflächen am Moritzplatz wird mit ehrenamtlicher Unterstützung im Jahr 2009 zum urbanen Gemeinschaftsgarten umgebaut. Der Prinzessinnengarten wird zu einem Ort mit ökologischem, sozialen und kommunikativem Nutzen. In dem partizipativem Projekt geht es nicht nur ums gemeinsame Säen, Pflanzen und Ernten in einem Nutzgarten, sondern vielmehr um eine bewusste Auseinandersetzung mit wichtigen gesellschaftlichen Fragen. Klassische Strukturen der Stadtplanung und des Zusammenlebens werden hinterfragt. Im Jahr 2018 wird ein weiterer Prinzessinnengarten auf der ehemaligen Fläche des Neuen St. Jacobi Friedhof Neuköln aufgebaut. Über 500 verschiedene Gemüse-und Kräutersorten wachsen dort zwischen alten Bäumen und vielfältiger Fauna. Auch die Bodenbepflanzung ist auf dem historischen Gelände möglich. Das Vermittlungs- und Lehrpotential des Gartens wird von Anwohner*innen ausgeschöpft:  Gemeinsam beschäftigen sie sich mit dem Verarbeiten und Konservieren des Gemüses, Halten von Bienen oder dem Aufbau eines Wurmkomposts.

Botanischer Garten

Der Schwerpunkt des Botanischen Gartens und des Botanischen Museums liegt auf der Erforschung der pflanzlichen Vielfalt. In fünfzehn Schaugewächshäusern kann die Pflanzenwelt der Tropen und Subtropen erkundet werden. Herzstück der Anlage ist das Große Tropenhaus, in dem sich Palmen, Lianen und Riesenbambus zwischen Karibik und Südostasien versammeln. Besonderen Pflanzengruppen wie Bromelien, Orchideen und tropischen Farnen sind eigenständige Gewächshäuser gewidmet. Alle Schaugewächshäuser können über einen Rundgang erreicht werden.

Visuelle Spurensuche

Neben gemeinsamen Besichtigungen und dem Austausch innerhalb der Gruppe, steht die individuelle, visuelle Auseinandersetzung mit dem Thema im Vordergrund. Individuell gehen wir auf Spurensuche, um herauszufinden, was das persönliche Grün und die Gestaltung mit Grün in den Städten über den Mensch erzählt. Gesucht und untersucht wird die Natur in Berlin– an Fassaden, auf Dächern, als vertikale Landwirtschaft, als grüne Oase – aber auch als Brachland, verlassene Industrielandschaft, als Topfpflanze, Asphaltgrün, Plastikpflanze und Gemüsegarten.

Eli Alaimo Di Loro

Inspiriert wurde ich von Persischen Teppichen, die im Gropius Bau ausgestellt wurden und die den Aufbau und die Bewässerungssysteme damaliger Gärten abbilden.

Lea Potthoff

Eine Verbindung der Strukturen: gesellschaftliche Herrschaftsformen und pflanzliche Makrostrukturen in einer Symbiose, reduziert auf prägnante Merkmale, Muster, Strichführungen und Schlüsselwörter.

Veronika Vassilou

Suemeyye Yilmaz

Charlotte Meisl

Hanna French

Klara Weber

Lina Wischnewski

Die Natur in der Stadt
Interdisziplinäre Exkursion Berlin

Hochschule Düsseldorf
Fachbereich Design
betreut von Prof. Mone Schliephack und Prof. Anja Vormann

Interview mit
Rosalia Theilig

Arbeiten von
Veronika Vassilou
Charlotte Meisl
Suemeyye Yilmaz
Eli Alaimo Di Loro
Hanna French
Lea Potthoff
Klara Weber
Lina Wischnewski