Beobachter

Haikus am WorringerPlatz

Der Worringer Platz: hektisch, laut, stickig – fast ein wenig feindlich. Wer dort arbeiten möchte, muss sich entscheiden: möchte ich das Chaos dokumentieren, etwas dazu tun oder gar etwas entgegen setzen? Der Paradise Park Wagen hat nicht lange gefackelt, ist mitten rein gefahren und hat den Motor ausgemacht. Mir lag eher die Rolle des Beobachters. Muss man wirklich mittendrin sein, um zwischen den Zeilen zu lesen? Tatsächlich habe ich mich zunächst maximal weit weg bewegt – in der Hoffnung, gerade dadurch näher hinschauen zu können. Zurück ins 4. Jahrhundert, in das Japan, in dem damals die traditionelle Form des Haikus entstanden ist. 5 Silben, 7 Silben, 5 Silben – eine strenge, aber friedliche, einfache, in sich ruhende Form. Der größtmögliche Kontrast zu dem Ort, den ich zu beschreiben versuche. 

In diesem Spannungsfeld wollte ich eine neue Perspektive auf den Platz gewinnen; vielleicht sogar Schönheit finden, wo andere nur Elend sehen. Ob mir das gelungen ist, mag jeder selbst beurteilen. Meine Haikus hängen verstreut auf dem Platz, gedruckt auf bunten Fliesen gliedern sie sich in das Raster der Sitzbänke ein. Dadurch sollte klar sein: diese Haikus kommen gar nicht von weit her, sondern gehören genau hier hin.

Paul Schömaker
Haikus am Worringer Platz
Semesterarbeit

Hochschule Düsseldorf
Fachbereich Design
betreut von Prof. Anja Vormann und
Prof. Britta Wandaogo